Vicky Thom

Vicky Thom, 23
Illustrationsdesignerin

Serie: Interview Aktuell

In dieser neuen Serie interviewen wir in loser Folge Kreative, die unsere Akademie aus eigener Erfahrung kennen: Studierende, Dozenten, Illustrationsdesigner, Verlags- und Werbemenschen. Die Interviews kommen in kurzen Abständen immer frisch nach und zeigen die vielen Facetten der Kreativbranche.

»Storytelling
und Graphic Novel«

F: Du hast gerade deine Ausbildung an der Bildkunst beendet, wie lange hast du dafür gebraucht?

A: Die ganze Ausbildung hat sieben Semester, also dreieinhalb Jahre gedauert. Das letzte Semester habe ich dabei voll in meine Examensarbeit, eine Graphic Novel als aktuelle Interpretation zum klassischen Thema Totentanz, investiert.

F: Sozusagen dein Meisterstück?

A: Im Abschlussexamen kreativer Studiengänge wird ja kein angesammeltes Wissen abgefragt, sondern die individuelle Examensarbeit dient, wie früher schon die Diplomarbeit, dem Nachweis der Berufsreife.

F: Warum hast du dich für ein Projekt der Graphic Novel entschieden?

A: Die Graphic Novel ist in Europa ein wachsendes Genre, inhaltlich und formal sozusagen ein ernsthafter Comic. Die Story wird da schrittweise bildhaft erzählt, Text ist nur noch in geringem Umfang beteiligt. Dies ist ja ein allgemeiner Trend in der Kommunikation, auch in der Presse nimmt die Bedeutung des Bildes gegenüber dem Text zu. Damit bin ich in der Wahl meiner Mittel ganz aktuell, ebenso aktuell wie Goethe es seinerzeit war, als er 1813 seine Ballade „Der Totentanz“ schrieb, die mich übrigens auf das Thema gebracht hat.

F: Graphic Novels sind zur Zeit auf dem Büchermarkt ein großer Renner. Hat das für die Wahl deiner Abschlussarbeit auch eine Rolle gespielt?

A: Natürlich, mit Graphic Novels erzählst du Stories nach bestimmten Regeln. Aber es gibt ja nicht nur die literarische Seite.

Das Überthema dazu heißt umfassend Storytelling, das inzwischen auch in Marketing, Werbung, Wissenschaft und Erziehung zur Informationsvernittlung eingesetzt wird. In Business-Kursen, an denen ich hier im 5. und 6. Semester teilgenommen habe wurde uns das eindringlich vermittelt.

F: Wie bist du eigentlich zur Bildkunst Akademie gekommen?

A: Das war eigentlich eine Familiengeschichte. Alle meinten, ich sei ziemlich begabt und müsste unbedingt etwas Kreatives machen. Nach dem Abi war ich selbst da eher unsicher. Meine Mutter hat dann ein Plakat der Schule in der U-Bahn entdeckt, mich zu einem Tag der Offenen Tür mitgeschleppt und dann mehr oder weniger auf eigene Faust angemeldet.

F: Ganz ohne deine Mithilfe wird das wohl nicht gegangen sein?

A: Eine Bewerbungsmappe hatte ich mir natürlich zusammen gestellt. Aber es ist schon so, dass man selbst nie so recht beurteilen kann, ob es für den Beruf langt oder nicht.

F: Es hat mit „Sehr gut“ gelangt. Was hast du dir jetzt für die Zukunft vorgenommen?

A: Ich würde später gern als Freelancer, also selbständig mit eigenem Studio, arbeiten. Im Verbund einer Agentur könnte ich mir auch eine Zusammenarbeit mit anderen als Storyboarder, Charakterdesigner oder Illustrator vorstellen. Aber zuerst suche ich mir einige interessante Praktika, um mehr Berufserfarungen, speziell im Bereich Storytelling und Animation, zu sammeln.

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